Klartext von Kiesewetter: Olympia, Massentierhaltung, Kinderarbeit

Die Verantwortung der Woche: Wer trägt eigentlich wirklich wofür die Verantwortung?!

Seit Jahren hänge ich Ihnen nun in den Ohren und weise Sie auf Ihre Verantwortung hin. Immer wieder versuche ich Ihnen schmackhaft zu machen, dass Sie selbst in der Rolle der bzw. des Verantwortlichen sind, was Ihr Unternehmen, Ihre Karriere, Ihr Leben und auch das Leben anderer betrifft.

Doch wofür sind Sie wirklich verantwortlich oder anders gefragt: Wofür sind Sie eigentlich nichtverantwortlich?

Olympia in Peking: Die TV-Quoten sind grandios und der Fernsehzuschauer sieht sich, genauso wie die Sportlerinnen und Sportler, zunehmend in der Kritik. Er würde damit die Ungerechtigkeiten und Menschenverachtung des chinesischen Systems unterstützen.

Massentierhaltung in Deutschland: Der Fleischkonsum ist weltweit riesengroß, der Verbraucher aber der eigentliche Schuldige für die Umweltzerstörung und die katastrophalen Zustände in Sachen Tierwohl, weil er schließlich das billige Fleisch kaufe.

Weltweite Kinderarbeit: Die Käufer billiger Kleidungsstücke und Textilien sollen sich schämen, weil sie für die Ausbeutung der Kinder auf den Baumwollplantagen in Indien, Südamerika und anderswo verantwortlich seien.

Ist das so? Wirklich? Oder wird hier nur mit den Verantwortlichkeiten gespielt, um die Schuld einem anderen zuzuweisen?

In allen Fällen ist der Konsument der kleinste Teil der Verantwortungslosigkeit, auch wenn er sich sicher nicht ganz freisprechen kann. Denn Verantwortung hat etwas mit der Möglichkeit der Einflussnahme und mit Macht zu tun – und genau das gilt es im Auge zu behalten, wenn Sie Verantwortung tragen sollen und wollen.

Die Entscheidung, die Olympischen Spiele in Peking stattfinden zu lassen, wurde 2015 von ganz anderen Menschen getroffen. Und von ganz anderen weder angefochten, kritisiert noch verhindert. Warum sollten heute ausgerechnet Sie als Zuschauer oder die Sportler für diese Verantwortung herhalten? Sie konnten es zu keinem Zeitpunkt wirklich stark beeinflussen.

Die Zustände in der Herstellung tierischer Produkte (oder tierischen Ursprungs) sind einerseits Sache der Unternehmen, die sich an den Bedingungen am Markt orientieren müssen, um wirtschaftlich zu überleben. Die Rahmenbedingungen dafür schafft der Staat, oder er schafft sie eben nicht – der Konsument ist sicher am allerwenigsten an diesen Regeln beteiligt. Er kann zwar mit seinem Verhalten und dem Einwirken auf seine Umgebung ein bisschen Einfluss nehmen, aber die Macht des Einzelnen bleibt marginal.

Die Ausbeutung von Kindern unter menschenunwürdigen Bedingungen ist ein weltweit riesiges Problem. Kaum vorstellbare Armut in den jeweiligen Ländern ist die eigentliche Ursache, doch das zu kleine Portemonnaie hierzulande ist letztlich auch der Grund für die Wahl des billigsten Konsums.

Noch einmal: Niemand kann sich ganz freisprechen. Auf irgendeine Weise sind wir alle mitverantwortlich: als Staat, als Unternehmer, als Konsumenten. Doch wir dürfen nicht verwechseln, wer das Spiel gestaltet, wer die Spielregeln bestimmt und wer einfach nur mitspielt. Vor allem aber sollten wir erkennen: Das Spiel geht so oder so weiter, auch ohne uns.

Wir tragen die Verantwortung also da, wo wir können. Und wo wir wenig bis gar nichts machen können, sollten wir sie denen vor Augen halten, die die Verantwortung wirklich haben.